| Wie lässt sich erklären, dass du so stark
zurückgekommen bist? |
Wie sich das erklären lässt? Das lässt sich damit
erklären, dass ich gewinne möchte, dass ich meine Tätigkeit fortsetzen
möchte und dass ich der Beste sein möchte. |
| Wie schwer war es, so stark zurückzukommen? |
Es ist immer schwer, nach einer Verletzung und umso
mehr nach einer Operation zurückzukommen. Viele Leute, auch aus unserem
Verband, haben nicht daran geglaubt, dass Pluschenko wieder laufen und
um den ersten Platz kämpfen kann. Und das war gemein. Warum ich das
sage? Weil ich das nicht nur einmal gehört habe (dass man ihn
abgeschrieben hat). |
| War das der schwerste Moment deiner Karriere? |
Ich möchte allen sagen, dass ich ein sehr starkes
Nervensystem und eine starke Psyche habe und dass ich selbst ein starker
Mensch bin, und ich habe um mich herum meine Eltern, meine Freunde,
meine Frau, die mich nicht im Stich gelassen sondern im Gegenteil
unterstützt haben. Sie haben mir gesagt, du bist der beste und den
anderen weit überlegen. Das, was die Leute vom Verband gesagt haben, ist
ihre Schwäche und nicht meine. |
| Wie lange hast du Pause zwischen der Operation und dem
ersten Training gehabt? |
Ich bin nach der Operation ziemlich schnell wieder auf
das Eis zurückgekommen. Wenn ich im April operiert wurde, dann bin ich
Ende Mai schon wieder auf dem Eis gewesen, so genau erinnere ich mich
nicht mehr. Aber ich hatte Pausen. Das heißt, ich bin eine Woche
gelaufen und dann einen Monat nicht. Oder ich bin fünf Tage gelaufen,
und dann eine Woche nicht. Ich habe also mit Pausen trainiert. |
| Wie schwer war es, in Moskau bei der WM aufgeben zu
müssen? Woran erinnerst du dich? |
Es war natürlich sehr schwer, in Moskau zurückziehen zu
müssen, und zweifellos war es unangenehm, den Titel zu verlieren, den
ich problemlos zum vierten Mal hätte gewinnen können. Wir sind zum
Wettkampfarzt gegangen, und er sagte, dass ich ein Formular ausfüllen
müsse, warum ich vom Wettkampf zurückziehe, den Grund angeben muss. Ich
erinnere mich natürlich daran. Aber eigentlich haben wir einen Fehler
gemacht, dass wir überhaupt angetreten sind. Denn nach der
Europameisterschaft habe ich zwei, drei Wochen nicht trainiert. Wir
haben uns zusammen mit Alexej Mischin zu so einer Heldentat
entschlossen, die niemand anerkannt hat, nicht ein Mensch, und besonders
nicht der russische Verband. Im Gegenteil, die haben mir noch
vorgeworfen, dass ich nicht bis zum Ende laufen konnte und sie nicht
alle vier Goldmedaillen gewinnen konnten. Das war unfair. |
| Haben diese Vorwürfe dich stärker gemacht? |
Wie ich schon gesagt habe, haben meine Eltern, meine
Freunde und meine Frau mich stärker gemacht. |
| Hast du die Auftritte der anderen Läufer in dieser
Saison verfolgt? |
Ja, ich habe es mir angeschaut. Ich möchte nicht sagen,
dass alle Gegner schwach sind. Offensichtlich spüren sie in diesem Jahr
den Druck der Olympiasaison und alle wollen ihr Bestes zeigen, und es
klappt nicht bei allen. Aber die ganze Saison steht noch bevor, und ich
darf keinesfalls nachlassen. |
| Was denkst du über Stephane Lambiel? |
Ich möchte niemanden hervorheben, egal ob es der
Weltmeister oder der Europameister ist. Sie alle sind stark und alle
sind meine Rivalen, und zu denken, dass alle schlecht laufen, ist
natürlich falsch. |
| Nach dem Auftritt beim Cup of Russia bist du, ob es dir
gefällt oder nicht, ein Favorit für die Olympischen Spiele. |
Ich strebe danach, strebte danach und werde danach
streben. Ich soll der Beste sein, und ich möchte es sein. Dass ich der
Beste bin, kann ich nur mit gutem Eislaufen beweisen. Um gut zu laufen,
muss ich zweifellos viel arbeiten. Ich bin noch sehr weit von meinem
besten Niveau entfernt. |
| Aber dein Kurzprogramm war erstklassig! |
Ja, das Kurzprogramm war meiner Meinung nach sehr gut.
Danach sind viele Leute zu mir gekommen und haben gesagt, Zhenja, du
hast dich selbst übertroffen. Aber ich habe gesagt, ich habe mich nicht
selbst übertroffen sondern nur das getan, was ich bei jedem Wettbewerb
tun soll. Das war, nach meiner Ansicht, einfach ein guter, man kann
sagen ausgezeichneter, Auftritt wie in den besten Jahren, als alles in
Ordnung war. Mit der Kür bin ich auch zufrieden. Es gab zwei Fehler,
aber für den ersten Auftritt war es gut, vor allem, nachdem ich sieben
Monate lang keinen ernsthaften Wettkampf hatte. Umso mehr nach der
Operation war es meiner Ansicht nach klasse. |
| Der Cup of Russia wird aber dein einziger
internationaler Wettkampf vor der Europameisterschaft sein. |
Wenn ich nicht wieder ins Grand Prix Finale komme wie
im Vorjahr, dann wird das mein einziger internationaler Wettkampf sein,
ja. Dann kommt noch die Russische Meisterschaft, das ist auch ein
wichtiger Wettkampf. Ich sehe kein Problem darin, dass ich vor der EM
keinen anderen internationalen Wettkampf mache. |
| Wirst du schon bei der EM in Topform sein oder erst bei
den Olympischen Spielen? |
Das weiß ich nicht. Ich glaube, das weiß niemand. Hier
braucht man eine Strategie, eine richtige Herangehensweise ans Training,
die richtige Erholung. |
| Bist du ganz auf die Olympischen Spiele konzentriert,
denkst nur daran, weil das der einzige Titel ist, der dir fehlt? |
Ich denke in diesem Jahr überhaupt noch nicht an die
Olympischen Spiele. Ich habe in diesem Jahr noch zwei Wettbewerbe vor
den Spielen, die Russische Meisterschaft und die EM. Jetzt denke ich an
die Russische Meisterschaft, dann an die EM und dann erst denke an die
Olympischen Spiele. |