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Interview mit Jevgenij Pluschenko

Cup of Russia 2005, St. Petersburg

Wie lässt sich erklären, dass du so stark zurückgekommen bist? Wie sich das erklären lässt? Das lässt sich damit erklären, dass ich gewinne möchte, dass ich meine Tätigkeit fortsetzen möchte und dass ich der Beste sein möchte.
Wie schwer war es, so stark zurückzukommen? Es ist immer schwer, nach einer Verletzung und umso mehr nach einer Operation zurückzukommen. Viele Leute, auch aus unserem Verband, haben nicht daran geglaubt, dass Pluschenko wieder laufen und um den ersten Platz kämpfen kann. Und das war gemein. Warum ich das sage? Weil ich das nicht nur einmal gehört habe (dass man ihn abgeschrieben hat).
War das der schwerste Moment deiner Karriere? Ich möchte allen sagen, dass ich ein sehr starkes Nervensystem und eine starke Psyche habe und dass ich selbst ein starker Mensch bin, und ich habe um mich herum meine Eltern, meine Freunde, meine Frau, die mich nicht im Stich gelassen sondern im Gegenteil unterstützt haben. Sie haben mir gesagt, du bist der beste und den anderen weit überlegen. Das, was die Leute vom Verband gesagt haben, ist ihre Schwäche und nicht meine.
Wie lange hast du Pause zwischen der Operation und dem ersten Training gehabt? Ich bin nach der Operation ziemlich schnell wieder auf das Eis zurückgekommen. Wenn ich im April operiert wurde, dann bin ich Ende Mai schon wieder auf dem Eis gewesen, so genau erinnere ich mich nicht mehr. Aber ich hatte Pausen. Das heißt, ich bin eine Woche gelaufen und dann einen Monat nicht. Oder ich bin fünf Tage gelaufen, und dann eine Woche nicht. Ich habe also mit Pausen trainiert.
Wie schwer war es, in Moskau bei der WM aufgeben zu müssen? Woran erinnerst du dich? Es war natürlich sehr schwer, in Moskau zurückziehen zu müssen, und zweifellos war es unangenehm, den Titel zu verlieren, den ich problemlos zum vierten Mal hätte gewinnen können. Wir sind zum Wettkampfarzt gegangen, und er sagte, dass ich ein Formular ausfüllen müsse, warum ich vom Wettkampf zurückziehe, den Grund angeben muss. Ich erinnere mich natürlich daran. Aber eigentlich haben wir einen Fehler gemacht, dass wir überhaupt angetreten sind. Denn nach der Europameisterschaft habe ich zwei, drei Wochen nicht trainiert. Wir haben uns zusammen mit Alexej Mischin zu so einer Heldentat entschlossen, die niemand anerkannt hat, nicht ein Mensch, und besonders nicht der russische Verband. Im Gegenteil, die haben mir noch vorgeworfen, dass ich nicht bis zum Ende laufen konnte und sie nicht alle vier Goldmedaillen gewinnen konnten. Das war unfair.
Haben diese Vorwürfe dich stärker gemacht? Wie ich schon gesagt habe, haben meine Eltern, meine Freunde und meine Frau mich stärker gemacht.
Hast du die Auftritte der anderen Läufer in dieser Saison verfolgt? Ja, ich habe es mir angeschaut. Ich möchte nicht sagen, dass alle Gegner schwach sind. Offensichtlich spüren sie in diesem Jahr den Druck der Olympiasaison und alle wollen ihr Bestes zeigen, und es klappt nicht bei allen. Aber die ganze Saison steht noch bevor, und ich darf keinesfalls nachlassen.
Was denkst du über Stephane Lambiel? Ich möchte niemanden hervorheben, egal ob es der Weltmeister oder der Europameister ist. Sie alle sind stark und alle sind meine Rivalen, und zu denken, dass alle schlecht laufen, ist natürlich falsch.
Nach dem Auftritt beim Cup of Russia bist du, ob es dir gefällt oder nicht, ein Favorit für die Olympischen Spiele. Ich strebe danach, strebte danach und werde danach streben. Ich soll der Beste sein, und ich möchte es sein. Dass ich der Beste bin, kann ich nur mit gutem Eislaufen beweisen. Um gut zu laufen, muss ich zweifellos viel arbeiten. Ich bin noch sehr weit von meinem besten Niveau entfernt.
Aber dein Kurzprogramm war erstklassig! Ja, das Kurzprogramm war meiner Meinung nach sehr gut. Danach sind viele Leute zu mir gekommen und haben gesagt, Zhenja, du hast dich selbst übertroffen. Aber ich habe gesagt, ich habe mich nicht selbst übertroffen sondern nur das getan, was ich bei jedem Wettbewerb tun soll. Das war, nach meiner Ansicht, einfach ein guter, man kann sagen ausgezeichneter, Auftritt wie in den besten Jahren, als alles in Ordnung war. Mit der Kür bin ich auch zufrieden. Es gab zwei Fehler, aber für den ersten Auftritt war es gut, vor allem, nachdem ich sieben Monate lang keinen ernsthaften Wettkampf hatte. Umso mehr nach der Operation war es meiner Ansicht nach klasse.
Der Cup of Russia wird aber dein einziger internationaler Wettkampf vor der Europameisterschaft sein. Wenn ich nicht wieder ins Grand Prix Finale komme wie im Vorjahr, dann wird das mein einziger internationaler Wettkampf sein, ja. Dann kommt noch die Russische Meisterschaft, das ist auch ein wichtiger Wettkampf. Ich sehe kein Problem darin, dass ich vor der EM keinen anderen internationalen Wettkampf mache.
Wirst du schon bei der EM in Topform sein oder erst bei den Olympischen Spielen? Das weiß ich nicht. Ich glaube, das weiß niemand. Hier braucht man eine Strategie, eine richtige Herangehensweise ans Training, die richtige Erholung.
Bist du ganz auf die Olympischen Spiele konzentriert, denkst nur daran, weil das der einzige Titel ist, der dir fehlt? Ich denke in diesem Jahr überhaupt noch nicht an die Olympischen Spiele. Ich habe in diesem Jahr noch zwei Wettbewerbe vor den Spielen, die Russische Meisterschaft und die EM. Jetzt denke ich an die Russische Meisterschaft, dann an die EM und dann erst denke an die Olympischen Spiele.

Tatjana Flade

 


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